>>> 2 GRANDIOSE SCHÖNAUER-REZENSIONEN:

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Thomas Schafferer: Lyrik Rocks. 2-3-4 rotzfreche Tracks

Aus den Tagen voller Lebens-Schutt lässt sich vortrefflich mit Lyrik ausbrechen, sind Gedichte doch ein weitverzweigtes System, welches im Gebirge im Gipfelkreuz Flimmern auslöst und an der Küste als Leuchtturm getarnt große Sehnsucht verströmt. Und über diese Gedichte kommt zwischendurch auch der Wahnsinnsturm Hölderlins in Tübingen ins Haus oder eine Reise in schroffes Gebirge erweist sich als Harzreise mit dem sagenhaften Brocken darin.

Der Lyriker Thomas Schafferer nimmt diese generelle Sehnsucht für wahnsinnige Konstellationen zum Anlass, um zu fragen, ob nicht letztlich auch die Anhänger von schwerem Rock eine phantastische Lyrik in ihrem Sehnsuchtsgepäck haben. Als sozialarbeitendem Autor werden ihm täglich die seltsamsten Botschaften zugetragen und aus diesem Material hat Thomas Schafferer einen Lyrik-Band geschaffen, halb Textur für Insider, halb Dokumentation aus der Szene heraus. Der Lyrikband trägt auf den ersten Blick keinen Titel, erst wenn man die schwer durchtrainierte männliche Bizeps-Darstellung auf dem Cover betrachtet, entdeckt man das Tattoo mit dem Emblem von Lyrik Rocks.

Und die Bedeutung ist eine Zweifache, einmal sind es Songs oder Tracks aus der Rockszene, dann wieder sind es Felsbrocken, die spitz in dem lyrischen Gebilde herumliegen.

Die Gedichte arbeiten mit dem Element der Irritation, vielleicht ist diese Lyrik die Evokation einer lyrischen Geste, deren Hand schon wieder längst verschwunden ist.

Die Sequenzen setzen unvermittelt ein, nennen sich „Frauen in kurzen Hosen“, „nicht meine Visage“, oder einfach „Brno“, jede Kleinigkeit und jeder Ort können Auslöser für eine an-gerockte Phrase sein. „Die rosen sind rot / die veillchen sind blau.“ (33)

Wenn wir die Sätze wörtlich nehmen, müssen wir sie unterwandern, lautet das Konzept, mit dem Thomas Schafferers oft felsig konsequent an die Unterseite der Gedichte herangeht. Immer wieder eröffnet der Autor eine Szenerie mit einer scheinbar flüchtigen Notation des Ereignisses, sofort entsteht eine Asymmetrie der Rezeption, denn die Texte wuchern meist in eine andere Erlebniszone aus, als sie im ersten Ansatz erwarten lassen.

So ist der Untertitel treffend gewählt, wenn es um 2-3-4 rotzfreche Tracks geht. Denn Thomas Schafferers Gedichte sind einmal eine Erhebung, über die man stolpert, und dann wieder ein Loch, in das man hineinfällt. Und nie ist man sicher, was Loch und was Stein ist, denn es gibt keinen Mittelweg.

Lyrik Rocks sind eine ungewöhnliche Studie aus einem nicht alltäglichen Milieu, Insider Textspiele mit allgemeinem Anspruch, „verrockte“ Antworten auf jene Sichtweise der Welt, an die wir uns oft durch brave Rezeption schon allzu leicht gewöhnt haben.



Thomas Schafferer: Lyrik Rocks. 2-3-4 rotzfreche Tracks. Mit einem Vorwort von Florian Pranger.

Innsbruck: pyjamaguerilleros 2007. 173 Seiten. EUR 12,90. ISBN 978-3-9501923-7-7.

Thomas Schafferer, geb. 1973 in Innsbruck, lebt in Innsbruck.

Helmuth Schönauer 27/03/09
TIROLER GEGENWARTSLITERATUR 1084


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Thomas Schafferer: Kaiserschmarrn. 20 absurde Kurzgeschichten und –krimis

Jede Speise hat einen Nachhall, der oft ein Leben lang anhalten kann, und jedes Gericht ist letztlich ein Unikat, das nur einmal in der Gegenwart stattfinden kann.

Thomas Schafferer geht von der Überlegung aus, dass Geschichten letztlich den Charakter von Menüs haben, man denkt an die Einmaligkeit der Situation, an die unverwechselbaren Protagonisten, die am Mahl teilgenommen haben und dann beleibt einem die Geschichte oft ein Leben lang in Erinnerung.

Kaiserschmarren ist natürlich das Topgericht, aufgebacken, zusammengestochert, gewendet und leicht angebrannt lacht der ehemalige Teig den Leser lüstern an. In der Geschichte versammeln sich zu diesem Zweck die Ötztaler Protagonisten Haid und Prantl, tischen absurde Notizen auf, schlagen sich auf die Seite des Autors und lassen sich endlich einen echten Kaiserschmarren servieren, diesmal für die Ewigkeit.

Ähnlich geht es bei den anderen Menüs zu. Blattsalat, Herrengröstl, Grillhendl, Haferbrei, Wuchteln, Butterbrote: Aus allen Gerichten wird die markante Geschmackswurzel extrahiert und in eine Geschichte implementiert.

Da kann jemandem jede Bewegung in der eigenen Wohnung zur Qual werden, irgendwie hat sich Trance über die Lage gelegt, der Weg zum Kühlschrank wird unendlich lang, die eigenen vier Wände werden zu Dolchstößen einer unerklärlichen Narkose, das Individuum löst sich auf.

In einem Lokal wird es nach den Empfehlungen des Barkeepers zusehends dunkler, ein kleiner Bericht verformt sich schon während des Vortrags in unerklärliche Fettbuchstaben und träge Wendungen, in einer Almhütte wird die Einrichtung allmählich zum Inventar für eine Fluxus-Inszenierung.

In diese Geschehnisse vom Verdösen der Protagonisten, Umkippen der Helden in einen anderen Zustand sind scheinbar realistische Anekdoten aus dem Kulturbetrieb geknüpft. Künstler sitzen zusammen und ergehen sich in unendlichen Abstrusitäten, Lebensläufe werden zu Mahnmalen zu Lebzeiten, Spätfolgen von Umtrünken lassen die Ladefläche der Kultur kommen.

„Das Chaos legte sich über die kleinkarierte Kleinbürgerlichkeit. Dunkelheit, Staub und Asche überall. Donnergrollen, ein Zischen und Fauchen, Rauchschwaden. Ein Zerbersten von Beton und Holz. Ein Krachen, ein Knallen und Poltern. Trümmer, Splitter, Gestank und Blut. Es war nun geschehen. Ein Weltuntergang.“ (185)

Zwischen Gerichten und Geschichten ist oft nur der Buchstabe eines Hauchs, mag sich Thomas Schafferer gedacht haben. Seine zwanzig Geschichten sind einerseits absurde Miniaturen des Kulturbetriebs, andererseits hoffnungsvolle Stories, die zeigen, wie man aus dem Alltag gesprengt wird, wenn man nicht rechtzeitig daraus aussteigt.



Thomas Schafferer: Kaiserschmarrn. 20 absurde Kurzgeschichten und –krimis. Mit einem Vorwort von Christian Kössler.

Innsbruck: pyjamaguerilleros 2008. 185 Seiten. EUR 15,40. ISBN 978-3-9501923-8-4.

Thomas Schafferer, geb. 1973, lebt in Innsbruck.

Helmuth Schönauer 27/02/09
TIROLER GEGENWARTSLITERATUR 1130

27.02.09: Foto-Ausstellungsbeteiligung Hall i.T.

Stromboli-ThomasSchafferer-PUNK-klein1Stromboli-ThomasSchafferer-PUNK-klein1

Klo-Vernissage #1/09 im Kulturlabor STROMBOLI in Hall in Tirol (20 Uhr Beginn). Thema: Raus aus der Konserve - 20 jahre stromboli Raus aus der Konserve, raus aus der Stadt, dem Alltag, der Gefangenschaft, den Zwängen, Gewohnheiten. Konservendose, Dosenbier, Dosenöffner.
Ausbrechen, aufbrechen, mit Regeln brechen...

Welche fotografischen Assoziationen auch immer das Thema ,,Raus aus der Konserve" weckte, das auch das Motto des aller ersten Stromboli-Kulturstadtfestes 1989 war, wird man/frau bei der ersten Klo-Vernissage 09 erfahren.

Zur Eröffnung gibt es Dosenbier und Sound von DJ Toilet. Die Bilder (u.a. auch 3 Fotoarbeiten von Thomas Schafferer // Bild oben: PUNK by Th. Schafferer) werden zwei Wochen lang in den Stromboli Toiletten zu sehen sein.

Flashback: Venedig-Aktion 2005

Schöne 23,23 Minuten lange Videodokumentation der wahnwitzigen Aktion von >Freistaat Burgstein< und u.a. Thomas Schafferer (inkl. legendärer Rialto-Brücken-Lesung bei Minute 14.28) in Venedig im Jahr 2005. Die Grundidee zur Biennale-Aktion stammte übrigens auch von T.S.:

Zukunftsmusik: Thomas Schafferer 2063

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